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Wie bewertet man alternative Unternehmensarchitekturen?
Alternative Unternehmensarchitekturen bewertet man, indem man nicht eine Lösung entwirft, sondern mehrere machbare Varianten bildet und alle an denselben Kriterien misst. Die Enterprise Variation Method (EVM) der SIMO GmbH beschreibt dafür acht Schritte von der Baseline bis zur Messung der Wirkung. Jede Variante wird unter Zukunftsszenarien durchgespielt und nach zehn Kriterien von Business Value bis Operational Complexity bewertet. Am Ende steht eine begründete Managemententscheidung, keine Herstellerempfehlung.
Autor Andreas O. Schwan, Managing PartnerStand
Das Problem
Eine Lösung ist noch keine Entscheidung.
Viele Architekturentscheidungen fallen, bevor die Alternativen überhaupt beschrieben sind. Ein Anbieter legt ein Zielbild vor, ein Projekt übernimmt es, und die Frage nach anderen Wegen stellt niemand mehr. Was fehlt, ist der Vergleich: Welche Varianten sind machbar, was kosten sie über die Laufzeit, welche Risiken tragen sie und wie schnell wirken sie? Ohne diesen Vergleich entscheidet die Geschäftsführung über eine Lösung, nicht zwischen Lösungen.
Die Enterprise Variation Method setzt genau hier an. Sie betrachtet alternative Geschäfts-, Prozess-, Daten-, Applikations-, Technologie-, KI- und Governance-Modelle und bewertet sie anhand Ihrer Kriterien. Das Ergebnis ist keine Herstellerempfehlung, sondern eine begründete Managemententscheidung.
Das Vorgehen
Acht Schritte von der Baseline zur Wirkung.
Die EVM ordnet die Bewertung in acht Schritte. Zuerst wird der Ausgangspunkt dokumentiert und die Entscheidung in ihre Bausteine zerlegt. Dann entstehen Varianten, die unter Zukunftsszenarien durchgespielt und bewertet werden. Nach der Entscheidung folgen Umsetzung und Messung. Im Business Data Transformation Framework sitzt die Methode zwischen Define und Architect: Vary, Simulate und Decide bilden dort den Entscheidungskern.
Die acht Schritte der EVM
- Baseline
Ausgangspunkt dokumentieren
Der Ist-Zustand von Geschäft, Daten und Technik, etwa aus BISA oder BEIA.
- Decompose
Entscheidung zerlegen
Geschäft, Prozesse, Daten, Anwendungen, Technologie, KI und Governance getrennt betrachten.
- Vary
Varianten bilden
Je Baustein mehrere machbare Modelle, nicht nur das naheliegende.
- Simulate
Szenarien durchspielen
Jede Variante unter mehreren Annahmen über die Zukunft prüfen.
- Evaluate
Bewerten
Alle Varianten an denselben zehn Kriterien messen, gewichtet nach Ihren Prioritäten.
- Decide
Entscheiden
Die Geschäftsführung wählt, Begründung und verworfene Varianten bleiben dokumentiert.
- Transform
Umsetzen
Die gewählte Variante wird zur Zielarchitektur mit Roadmap.
- Measure
Wirkung messen
Die Zielgrößen aus der Bewertung werden zum Maßstab der Umsetzung.
Die Kriterien
Zehn Kriterien, gewichtet nach Ihren Prioritäten.
Bewertet wird jede Variante an denselben zehn Kriterien. Welches Gewicht ein Kriterium bekommt, legt die Geschäftsführung fest, bevor die erste Variante auf dem Tisch liegt. So bleibt die Bewertung nachvollziehbar und unabhängig von dem, was ein Anbieter gerade empfiehlt. Wo Daten fehlen, wird das offen benannt, statt eine Genauigkeit zu behaupten, die es nicht gibt.
Wirkung und Wirtschaftlichkeit
- Business Value
- Welchen messbaren Nutzen stiftet die Variante für das Geschäft?
- Strategic Fit
- Wie gut passt sie zur Unternehmensstrategie und zur Business Vision?
- Time-to-Value
- Wann wird der Nutzen spürbar?
- TCO
- Was kostet sie über die gesamte Laufzeit, einschließlich Betrieb und Ausstieg?
- Operational Complexity
- Wie viel Aufwand bringt sie in den täglichen Betrieb?
Machbarkeit und Risiko
- Feasibility
- Ist sie mit den vorhandenen Mitteln, Menschen und Partnern umsetzbar?
- Data Readiness
- Sind die nötigen Daten vorhanden, verlässlich und verantwortet?
- AI Readiness
- Sind Daten, Technik und Regeln bereit für den geplanten KI-Einsatz?
- Risk
- Welche Risiken entstehen, und wie lassen sie sich begrenzen?
- Compliance
- Erfüllt sie die regulatorischen und vertraglichen Anforderungen?
Fragen der Geschäftsführung
Was Geschäftsführer dazu fragen.
Wie viele Varianten werden in der EVM bewertet?
So viele, wie machbar und wirklich verschieden sind. Eine Variante, die sich nur im Anbieter unterscheidet, zählt nicht als eigene Variante. Welche Varianten in die Bewertung gehen, legen wir mit der Geschäftsführung fest.
Ersetzt die EVM eine Ausschreibung?
Nein, sie geht ihr voraus. Wer vor der Ausschreibung weiß, welche Variante er will und warum, schreibt kürzer aus und erhält vergleichbare Angebote. Die Kriterien der EVM lassen sich für den Vergleich der Angebote weiterverwenden.
Wie hängt die EVM mit der BEIA zusammen?
Die BEIA liefert mit Current State Architecture, Risk Register und Gap Analysis die Baseline, auf der die EVM aufsetzt. Wer vor einer großen Entscheidung steht, geht deshalb häufig den Weg BEIA, dann EVM, dann Zielarchitektur.
Autor und Quellen
Wer antwortet, und worauf es sich stützt.
Quellen und weiterführende Literatur
- SIMO GmbH: Enterprise Variation Method und Business Data Transformation Framework, Methodenbeschreibung, 2026
- The Open Group: TOGAF Standard, 10. Ausgabe, 2022 (externe Seite)
- ISO/IEC/IEEE 42010:2022, Software, systems and enterprise: Architecture description
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