Wissen · Architektur

Was ist Business Architecture?

Business Architecture ist die Beschreibung eines Unternehmens aus Sicht der Geschäftsführung: welche Fähigkeiten es braucht, um seine Ziele zu erreichen, welche Wertströme und Prozesse diese Fähigkeiten tragen, wer sie verantwortet und welche Informationen dafür nötig sind. Sie ordnet das Unternehmen nach Fähigkeiten statt nach Abteilungen oder Systemen. Daraus wird sichtbar, wo Strategie im Alltag ankommt und wo Investitionen in Daten und Technik hingehören.

Autor Thomas Wassum, Managing PartnerStand

Begriff

Fähigkeiten statt Abteilungen.

Eine Fähigkeit ist etwas, das ein Unternehmen leisten muss, unabhängig davon, wer es heute tut und mit welcher Technik: Aufträge kalkulieren, Lieferanten steuern, Risiken bewerten. Fähigkeiten ändern sich selten, Abteilungen und Systeme häufig. Wer Investitionen an Fähigkeiten ausrichtet, hat deshalb einen Maßstab, der Umorganisationen und Systemwechsel übersteht. Die Business Capability Map zeigt alle Fähigkeiten auf einer Seite.

Bausteine einer Business Architecture

  • Geschäftsmodell, Ziele und Rahmenbedingungen
  • Fähigkeitenlandkarte (Business Capability Map)
  • Wertströme und Kernprozesse
  • Verantwortungen und Entscheidungswege
  • Abhängigkeiten zu Systemen und Dienstleistern

Abgrenzung

Was sie von IT- und Prozessarchitektur unterscheidet.

Prozessmanagement verbessert Abläufe, IT-Architektur ordnet Anwendungen und Technik. Business Architecture steht davor und verbindet beides mit den Zielen des Unternehmens. Sie beantwortet nicht, welches System eingeführt wird, sondern welche Fähigkeit es stärken soll und wer dafür verantwortlich ist. In der Enterprise-Architektur bildet sie die oberste Ebene, auf der Daten-, Anwendungs- und Technologiearchitektur aufbauen.

In der BEIA sind Business Context, Capabilities, Operating Model und Governance vier der acht Betrachtungsebenen. Daten, Anwendungen und Technologie bilden das Fundament darunter. Security, Risk & Compliance und AI Readiness laufen als Querschnitte über die Ebenen.

Praxis

Wann sich Business Architecture lohnt.

Business Architecture lohnt sich immer dann, wenn eine Entscheidung mehrere Bereiche berührt und die Beteiligten verschiedene Bilder vom Unternehmen haben: vor Wachstum, Übernahme oder Nachfolge, vor einer ERP-Ausschreibung oder wenn IT-Projekte ohne klaren Geschäftsbezug laufen. Sie schafft dann eine gemeinsame Landkarte, auf der Geschäftsführung, Fachbereiche und IT über dieselben Begriffe sprechen.

Ein typisches Szenario: Ein Mittelständler mit drei Standorten plant ein neues ERP-System, und jeder Standort beschreibt seine Anforderungen anders. Die Capability Map zeigt, dass die meisten Fähigkeiten an allen Standorten gleich sind und nur wenige das Geschäft tatsächlich unterscheiden. Die Ausschreibung wird kürzer, die Angebote werden vergleichbar.

Das Szenario ist typisch für Mandate, kein einzelner Kundenfall.

Fragen der Geschäftsführung

Was Geschäftsführer dazu fragen.

Wer sollte eine Business Architecture verantworten?

Die Geschäftsführung. Erarbeiten können sie Fachbereiche und IT gemeinsam, aber nur die Geschäftsführung kann entscheiden, welche Fähigkeiten das Unternehmen in Zukunft braucht und wo es bewusst nicht investiert.

Braucht man für Business Architecture eine eigene Software?

Nicht zu Beginn. Eine Capability Map auf einer Seite und eine klare Zuordnung von Prozessen, Verantwortung und Systemen tragen weiter als ein Werkzeug, das niemand pflegt. Ob sich ein Werkzeug lohnt, zeigt sich später an der Häufigkeit der Änderungen.

Wie oft muss eine Business Architecture überarbeitet werden?

So oft, wie sich die Entscheidungen ändern, die auf ihr beruhen. Weil sich Fähigkeiten selten ändern, genügt es meist, die Landkarte bei Strategiewechseln, Übernahmen oder großen Systemvorhaben zu überprüfen.

Autor und Quellen

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