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Warum ist Datenstrategie Chefsache?
Datenstrategie ist Chefsache, weil sie über Investitionen, Verantwortung und Risiken entscheidet und nicht über Technik. Sie legt fest, welche Daten welche Geschäftsentscheidungen tragen, wer für sie verantwortlich ist und in welcher Reihenfolge investiert wird. Diese Fragen kann nur die Geschäftsführung beantworten. In regulierten Bereichen kommt hinzu, dass NIS2 und DORA die Leitung für Informationssicherheit und IKT-Risiken ausdrücklich in die Verantwortung nehmen.
Autor Thomas Wassum, Managing PartnerStand
Rechtliche Angaben mit Stand 8. Oktober 2026. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Einordnung
Eine Managementdisziplin, kein IT-Projekt
Eine Datenstrategie gehört neben Finanz- und Personalstrategie in die Hand der Geschäftsführung. Sie beginnt mit der Frage, welche Entscheidungen das Unternehmen in den nächsten Jahren treffen muss: wo investiert wird, welche Märkte es bedient, welche Risiken es eingeht. Für jede dieser Entscheidungen klärt sie, welche Daten nötig sind, in welcher Qualität und wie aktuell.
Daraus folgt, welche Daten für das Geschäft wirklich zählen. Nicht jede Datenquelle verdient dieselbe Aufmerksamkeit. Eine gute Datenstrategie setzt Prioritäten und sagt offen, was vorerst nicht angegangen wird. An die IT delegiert, wird sie zur Werkzeugliste. Von der Geschäftsführung geführt, wird sie zum Steuerungsinstrument.
Verantwortung
Was die Regulierung von der Leitung verlangt
Nach Art. 20 NIS2 billigen die Leitungsorgane wesentlicher und wichtiger Einrichtungen die Risikomanagementmaßnahmen im Bereich der Cybersicherheit und überwachen ihre Umsetzung. Im Finanzsektor legt DORA die Verantwortung für das IKT-Risikomanagement ausdrücklich beim Leitungsorgan fest. Beides lässt sich ohne klare Datenverantwortung nicht nachweisen. Die Datenstrategie liefert diese Klarheit: wer welche Daten verantwortet und wie darüber entschieden wird.
In Deutschland geht § 38 Abs. 1 BSIG seit dem 6. Dezember 2025 weiter: Die Geschäftsleitung wichtiger und besonders wichtiger Einrichtungen muss diese Maßnahmen umsetzen und ihre Umsetzung überwachen. Sie muss außerdem regelmäßig an Schulungen teilnehmen und haftet bei Verstößen.
Regelwerke, die Datenverantwortung berühren
- DSGVO: Rechenschaftspflicht für personenbezogene Daten
- NIS2 und § 38 BSIG: Pflichten der Geschäftsleitung
- DORA: Verantwortung des Leitungsorgans für IKT-Risiken
- EU AI Act: Pflichten je nach Risikoklasse eines KI-Systems
- BCBS 239 und MaRisk: Risikodaten und Risikomanagement im Kreditwesen
Stand: Oktober 2026 · keine Rechtsberatung
Data Governance
Klare Rollen, eine verbindliche Quelle
Data Governance macht die Datenstrategie im Betrieb wirksam. Sie legt fest, wer einen Datenbestand fachlich verantwortet, wer seine Qualität im Alltag pflegt und welche Quelle für ihn verbindlich ist. Das Ergebnis passt auf wenige Seiten: die Strategie, ein Governance-Modell mit diesen Rollen und eine Roadmap, die den erwarteten Nutzen als Zielgröße nennt. So kann die Geschäftsführung später prüfen, ob die Strategie wirkt.
Ein typisches Szenario: Ein Finanzdienstleister soll gegenüber der Aufsicht nachweisen, woher die Daten in seinen Risikoberichten stammen. Die Daten sind vorhanden, aber niemand ist für sie verantwortlich. Mit der Geschäftsführung werden die geschäftskritischen Datendomänen festgelegt, Data Owner benannt und Nachweispfade beschrieben. Die nächste Prüfungsanfrage lässt sich mit vorhandenen Dokumenten beantworten.
Das Szenario ist typisch für Mandate, kein einzelner Kundenfall.
Drei Begriffe der Data Governance
- Data Owner
- Verantwortet einen Datenbestand fachlich: was er bedeutet, wer ihn nutzen darf und welche Qualität er braucht. Meist eine Führungskraft im Fachbereich.
- Data Steward
- Pflegt den Datenbestand nach den Regeln des Data Owners, misst seine Qualität und klärt Abweichungen dort, wo sie entstehen.
- Single Source of Truth (SSOT)
- Die eine verbindliche Quelle je Datenbestand. Berichte und Systeme übernehmen ihre Werte von dort; in der Datenarchitektur heißt sie führendes System.
Fragen der Geschäftsführung
Was Geschäftsführer dazu fragen
Was unterscheidet eine Datenstrategie von einer IT-Strategie?
Die IT-Strategie beantwortet, mit welchen Systemen und welcher Technik ein Unternehmen arbeitet. Die Datenstrategie beantwortet, welche Informationen welche Entscheidungen tragen und wer für sie verantwortlich ist. Sie geht der IT-Strategie voraus und gibt ihr die Richtung.
Brauchen auch mittelständische Unternehmen eine Datenstrategie?
Gerade dort. Im Mittelstand entscheiden wenige Menschen über viel, oft unter Zeitdruck. Eine Datenstrategie auf wenigen Seiten sorgt dafür, dass diese Entscheidungen auf verlässlichen Zahlen beruhen und nicht auf dem Bericht, der zuerst fertig war.
Wer setzt die Datenstrategie um?
Ihr Team, mit klaren Rollen. Die Datenstrategie benennt Data Owner und Verantwortliche für Datenqualität. SIMO begleitet die Umsetzung, wenn Sie es wünschen, mit dem Ziel, dass Ihr Team sie selbst weiterführt.
Was unterscheidet einen Data Owner von einem Data Steward?
Der Data Owner entscheidet, der Data Steward pflegt. Der Data Owner legt fest, was ein Datenbestand bedeutet, wer ihn nutzen darf und welche Qualität nötig ist. Der Data Steward setzt diese Regeln im Alltag um, misst die Qualität und behebt Fehler dort, wo sie entstehen. Beide Rollen gehören in den Fachbereich; die IT betreibt die Systeme, in denen die Daten liegen.
Autor und Quellen
Wer antwortet, und worauf es sich stützt
Quellen und weiterführende Literatur
- Richtlinie (EU) 2022/2555 (NIS2), Artikel 20 (externe Seite)
- Verordnung (EU) 2022/2554 (DORA), Artikel 5 (externe Seite)
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Artikel 5 Absatz 2 (externe Seite)
- Basler Ausschuss für Bankenaufsicht: BCBS 239, Principles for effective risk data aggregation and risk reporting, 2013 (externe Seite)
- ISO/IEC 38505-1:2017, Governance of data
- DAMA International: DAMA-DMBOK, Data Management Body of Knowledge, 2. Auflage, 2017
- BaFin: Rundschreiben 06/2026 (BA), Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), 9. MaRisk-Novelle, 2026 (externe Seite)
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Die nächste Frage und der Weg dahinter
Verwandte Frage
Wie schafft man verlässliche Datenflüsse?
Ein führendes System je Datenbestand, verbindliche Kennzahlen und Abgleiche, die Abweichungen sichtbar machen.
Verwandte Frage
Wann ist ein Unternehmen AI-ready?
Wenn Anwendungsfälle, Daten, Technik und Regeln zusammenpassen. Erst die Daten, dann das Modell.
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Business Data Strategy
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