Business Data Strategy

Datenqualität ist ein Symptom, keine Ursache

Wer Datenqualität zum Projekt macht, behandelt ein Symptom. Die Ursache liegt darin, dass niemand fachlich für eine Kennzahl geradesteht. Das lässt sich in einer Sitzung klären.

In fast jedem Erstgespräch fällt derselbe Satz: Unsere Datenqualität ist schlecht. Danach folgt in der Regel der Vorschlag, ein Datenqualitätsprojekt aufzusetzen, Regeln zu definieren und ein Werkzeug zu beschaffen. Nach zwölf Monaten steht das Werkzeug, die Regeln stehen, und der Satz fällt weiterhin.

Die Beschwerde meint etwas anderes

Wenn eine Führungskraft von schlechter Datenqualität spricht, meint sie fast nie fehlerhafte Datensätze. Sie meint, dass sie einer Zahl nicht trauen kann, weil zwei Berichte unterschiedliche Werte zeigen und niemand sagen kann, welcher gilt. Das ist kein technischer Defekt, sondern eine offene Zuständigkeitsfrage.

Die Prüfung dazu dauert zehn Minuten. Nehmen Sie die drei Kennzahlen, die in Ihrem Führungskreis am häufigsten genannt werden, und stellen Sie zu jeder dieselben vier Fragen.

  • Wer im Fachbereich entscheidet, wie diese Kennzahl gerechnet wird – namentlich, nicht als Abteilung?
  • In welchem System entsteht der Wert zuerst, und welche Systeme rechnen ihn danach neu?
  • Wer darf die Definition ändern, und wo ist die letzte Änderung dokumentiert?
  • Wie lange dauert es, den Wert bis zum ursprünglichen Geschäftsvorfall zurückzuverfolgen?

Wenn Sie bei einer dieser Fragen keine Antwort bekommen, haben Sie kein Datenqualitätsproblem. Sie haben eine Kennzahl ohne Eigentümer.

Warum Werkzeuge das nicht lösen

Ein Datenqualitätswerkzeug misst Regeln, die jemand vorher festgelegt hat. Es prüft, ob ein Feld gefüllt ist, ob ein Datum plausibel ist, ob eine Summe zu einer anderen passt. Es kann nicht entscheiden, welche von zwei fachlich unterschiedlichen Definitionen des Deckungsbeitrags die richtige ist. Diese Entscheidung ist eine Führungsentscheidung, und sie wird durch die Beschaffung eines Werkzeugs nicht getroffen, sondern vertagt.

Das erklärt auch, warum solche Vorhaben selten scheitern und trotzdem nichts ändern. Sie liefern genau das, was beauftragt wurde. Beauftragt wurde nur das Falsche.

Eine Zahl ohne benannten Eigentümer ist keine Kennzahl. Sie ist eine Meinung mit Nachkommastellen.

Quelle: Aus einem Mandat im Bankenumfeld, 2025

Was zuerst passieren muss

Ordnen Sie den zwanzig wichtigsten Kennzahlen Ihres Hauses je eine verantwortliche Person aus dem Fachbereich zu. Nicht der IT, nicht einem Gremium, sondern einer Person, die die fachliche Definition verantwortet und Änderungen daran freigibt. Halten Sie fest, aus welchem System der Wert stammt und über welche Zwischenschritte er in den Bericht gelangt.

Das ist unspektakulär und in acht bis zwölf Wochen zu leisten. Danach hat jede Diskussion über eine Zahl einen Adressaten, und die Frage lautet nicht mehr, welcher Bericht recht hat, sondern ob die hinterlegte Definition noch zum Geschäft passt.

Erst an diesem Punkt lohnt sich ein Werkzeug. Es misst dann etwas, das jemand verantwortet.

Der Nebeneffekt, der die Investition trägt

Häuser, die diese Zuordnung vorgenommen haben, sind in Prüfungen deutlich schneller. Wenn eine Aufsicht oder ein Abschlussprüfer fragt, worauf eine Aussage beruht, gibt es einen Ansprechpartner und einen dokumentierten Weg zurück zum Ursprung. Dieselbe Struktur trägt später die Nachweispflichten aus dem EU AI Act, denn auch dort muss nicht das Ergebnis erklärt werden, sondern sein Zustandekommen.

Wer die Herkunft seiner Zahlen kennt, hat nebenbei die Grundlage für alles gelegt, was danach kommt. Wer sie nicht kennt, kauft Werkzeuge, die ein Problem messen, das sie nicht lösen können.

Schlagworte

  • Datenqualität
  • Ownership
  • Governance
  • Kennzahlen
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